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Kunst oder Handwerk?

Kunst oder Handwerk?
Organisation konzertpädagogischer Projekte

(erschienen in Hörräume öffnen – Spielräume gestalten. Konzerte für Kinder, hgg. von Ernst Klaus Schneider, Barbara Stiller und Konstanze Wimmer, Regensburg 2011, ISBN 978-3-940768-29-2.)

Inhalt:
Präludium
1. Strategische Idee
2. Künstlerisches Konzept
3. Partnersuche und Wahl
4. Rahmen
5. Finanzierung
6. Zeitplan
7. Planung
8. Beginn
9. Kontrolle
10. Aktualisierung
11. Zwischenergebnisse
12. Planung Abschluss (Inhalt + Form)
13. Abgleich mit Ursprung
14. Pläne und Partituren
15. Dokumentation
16. Öffentlichkeitsarbeit
17. Abschluss
18. Nachbereitung
19. Verwertung
20. Evaluation
Finale

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Präludium
Nachfolgende Texte und Checklisten zur Organisation konzertpädagogischer Projekte erschließen sich aus der Perspektive des Kulturmanagers, der fähig ist, diese Disziplin als Handwerk zu betrachten, wie es dem Wort Management ja immanent ist: Manus = Hand. Kulturmanagement an sich ist kein Selbstzweck und schon gar keine "Kunst". Es hat den Inhalten und Erfordernissen der Kunst zu dienen, so gut es geht. Erfahrung ist wichtig und nötig, vor allem aber die Bereitschaft, offen und ehrlich die eigene Arbeit ständig zu reflektieren, Schönheitsschleifen ebenso vermeidend wie Schludrigkeiten oder mangelnde Kommunikation bei zeitlichen Problemen. Ein guter Handwerker macht kein Trara um seine Arbeit und gibt der Kunst den Raum und die Bedingungen, die sie zum Gelingen braucht.

Nachdem die Gründer des Kölner Büros für Konzertpädagogik Eberwein, König und Koch im ersten Spielräume-Band von 2002 die Themen kompositorische Inspiration durch Sachzwänge, Handlungsorientierung am Beispiel von Response, Vernetzung, und vor allem den richtungweisenden Gedanken des Eigennutzes konzertpädagogischer Arbeit formuliert haben, will ich einige sehr konkrete Aspekte der Organisation, vor allem aber ihren Bezug zum eigentlichen künstlerischen und gesellschaftlichen Ziel beleuchten. Die fünf damals formulierten Thesen haben dabei uneingeschränkte Gültigkeit und es zeigt sich, dass sich in den vergangenen sieben Jahren zwar das Angebot konzertpädagogischer Aktivitäten enorm vervielfältigt haben, häufig aber äußerst klassische Methoden, Inhalte und Managementpraktiken weiter vorherrschen. Auch die Einbindung von Komponisten in die konkrete Arbeit bleibt weiter eine Seltenheit. Es lohnt, noch einmal nachzulesen.
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1. Strategische Idee
Am Anfang einer Initiative sieht idealer Weise eine übergeordnete, künstlerische, gesellschaftliche oder politische Idee, die über den konkreten und notwendigerweise engeren Horizont eines Projektes hinaus weist. Zu oft definieren sich solche Ideen aus einem Mangel oder einer Unzufriedenheit heraus. Selbst wenn dies die Triebfeder bleibt, ist es doch oft nützlich und stilistisch allemal freundlicher, die Ziele positiv zu benennen und so eher eine Orientierung "nach vorn" zu behaupten. Ohne eine solche strategische Ausrichtung und Idee bleiben Konzepte häufig kraftlos und ihnen fehlt die Erdung. In der aktuellen Phase der Hypertrophie von Musikvermittlungs-Projekten erscheint manches als überflüssiger Tand oder persönliche Schrulle des "Machers", und es wird vollends fragwürdig, wenn solches zudem prominent gefördert wird und das Geld an wichtigeren Stellen fehlt.

Kasten:
Beispiele strategischer Ideen
Offene Schulen - Künstler im Unterricht - Kreativitätsförderung - Komposition als Innovationsschule - Integration - Künstlerische Kooperationen mit Randgruppen (Behinderte, Kinder, Alte, Kranke etc.) - Demographie - Jung musiziert mit Alt - Angebote für Senioren - Umwelt - Gerechtigkeit - Nachhaltigkeit - Medienkompetenz - Fortschritt - Innovation
Quellen solcher Themen: Zeitung - Internet - Diskussionen - Expertenreden - Politikerversprechungen - Programme
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2. Künstlerisches Konzept
Die strategischen Ziele müssen in künstlerische Ideen übersetzt werden. Im Umkehrschluss zur oben erhobenen Forderung nach strategischer Ausrichtung organisiert das Team des Büros für Konzertpädagogik jedoch keine Bildungskongresse mit Praxis-Beispielen sondern schafft Kunst (freilich in Abgrenzung zum Organisationsprozess s.o.). Je enger die beteiligten Schüler, Eltern, Lehrer, Senioren, Behinderten etc. in die künstlerisch-konzeptionelle Arbeit einbezogen werden können, umso besser. Und es bedarf des künstlerischen Handwerks: Komponisten, Musiker, Tänzer, Sänger, Texter, Maler etc. Diese für eine lebendige Kunst unverzichtbaren Mitmenschen zu fördern und zu finanzieren ist ebenfalls ein Gebot konzertpädagogischer Arbeit.

Kasten
- bildliche, klangliche, sinnliche Erscheinungsformen des gewählten Themas
- Berührungspunkte der Teilnehmer
- persönliche Erlebnisse
- aktives Erschließen neuer Quellen (Interviews, Reportagen)
- Beratung durch Künstler, vor allem auch Komponisten
- formale Überlegungen
- griffige Formulierung, klarer Titel (8-12 Buchstaben?) möglichst viel unmittelbar verständlicher Sinn, keine Angst vor "Recycling" vermeintlich besetzter oder gar "geschützter" Begriffe!
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3. Partnersuche und Wahl
Da wir unsere Projekte meist mit öffentlichen, zumindest aber fremden Geldern finanzieren, ist der Allgemeinheit über eine öffentliche Ausschreibung ein prinzipieller Zugang zu ermöglichen. Durch das bestehende Überangebot, mehr noch aber durch Nicht-Verstehen z.B. besonders innovativer Projekte habt man jedoch selten das Problem zu vieler Anmeldungen, Zufälle, persönliche Netzwerke, Empfehlungen, Überredungskünste, all dies sind erlaubte und brauchbare Methoden, um zu den "richtigen" Partnern zu kommen. Das Schicksal ist oft ein brillianter Baumeister. Partner können höchstens "falsch" werden, nämlich, wenn wir sie falsch einschätzen oder behandeln. Aber auch mutige Absagen, Vertröstungen und "Weg-Lobungen" sind erlaubt und heilsam. Mut ist hier das Schlüsselwort. Gezielte Akquisition von inhaltlich oder formal ergänzenden Partnern ist dem zufolge erlaubt, sinnvoll und wünschenswert.

Kasten
- welche Institutionen/Schulen gibt es
- welche "Opportunitäten/Gebote" gibt es (Veranstalter, Auftraggeber, Sponsoren)
- welche Gruppen lagern sich an die Kernzielgruppe an (z.B. Eltern)
- welche Gruppen fehlen (Minderheiten, Randgruppen, Regionen)
- gibt es Übergewichte / wie kann man ausgleichen
- gibt ein Übergewicht Anlass zu einer Neuausrichtung des Projektes
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4. Rahmen
Der Kontext, in den sich ein Projekt einfügt, ist ein entscheidender, und immer wieder neu zu befragender Bezugspunkt. Das Projekt verändert möglicherweise den Kontext (Festival, Programm, Reihe) und umgekehrt. Die zeitliche, räumliche und inhaltliche Platzierung z.B. eines Schülerkonzertes in einem Festival kann sehr viel über den Stellenwert und die Ernsthaftigkeit aussagen. Die bewusste Klärung und vor allem die Weitergabe dieser Sichtweise an Presse und Öffentlichkeit ist ein wichtiger Faktor für den tatsächlichen Erfolg eines Projektes, da sie auch die Teilnehmer beeinflussen. Eine Präsentation unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur Unzeit an einem ausrangierten Ort kann Begeisterung in Frust verkehren.

Kasten:
- Stellenwert des Projektes im Gesamtrahmen (Festival, Programm, Reihe)
- Platzierung des Konzertes / der Präsentation: Zeitlich, räumlich
- Finanzielle Ausstattung (sollte zw. 5 und 10% des Gesamtbudgets liegen)
- Stellenwert innerhalb der Kommunikation: Druckerzeugnisse, Pressearbeit, Werbung
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5. Finanzierung
Es gibt kein Patentrezept für eine gute, einfache oder sichere Finanzierung von konzertpädagogischen Projekten. Es kann funktionieren, eine Projektidee in die Welt zu setzen, und Kraft der "richtigen" strategischen Argumente Sponsoren-, öffentliche Subventions- oder Stiftungsmittel zu akquirieren. Der Idealfall ist jedoch eine Beauftragung oder ein Kooperationsangebot aus einem bestehenden Budget heraus, häufig dann auch mit einem klaren Präsentationsziel und zeitlichen Rahmen. Durch das Überangebot an Ideen und Anträgen stellen Stiftungen und andere Geldgeber hohe formale Anforderungen an Anträge, Durchführung und Dokumentation von ihnen geförderter Projekte - häufig jedoch nicht an die inhaltliche Qualität. Dieser Situation kann man nur mit Fleiß, Langmut und formaler Strenge begegnen, natürlich immer flankiert von persönlichen Kontakten, Gesprächen, Besuchen etc.pp Wenn Sie mit bereits bestehenden Erfahrungen, Erfolgen oder gar Auszeichnungen aufwarten können, steigert das die Ernsthaftigkeit Ihres Anliegens natürlich sehr. Um die Wertschätzung für ein Projekt auf der Seite der Teilnehmer zu gewährleisten ist es wichtig, einen wenigstens kleinen Projektbeitrag zu erheben, der gleichzeitig mit einem Sozialfond gekoppelt werden sollte, um niemanden ausschließen zu müssen.

Kasten (einige grobe kalkulatorische Anhaltspunkte):
- Sockelbetrag von 1.000 bis 2.000€
- Je beteiligtem Schüler 50 bis 100€ "Investition" (200 Schüler = 10 bis 20t€ Gesamtbudget)
- Mindestens 6 Dozentenbesuche in Schulen
- Technikkosten, Fahrt- und Transportkosten, Organisation
- Honorare für zusätzlich benötigte Künstler
- Material
- Instrumente (Orff-, Rhythmusinstrumente u.ä.)
- 10% Diverses / Sicherheit
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6. Zeitplan
Zunächst müssen bereits fest stehende Termine genauer betrachtet werden, meist der Konzerttermin. Dann sind Schulferien, Fahrten, andere Termine und Aufgaben der Durchführenden und Raumbelegungen zu betrachten. Der nächste Schritt ist das regelmäßige und Ferienbereinigte Einfügen der Besuchstermine der Dozenten, sodann kann das Zwischentreffen aller Beteiligten terminiert werden. Aus dieser Planung von hinten nach vorn, vom Ziel / Konzert bis zum Start des Projektes ergibt sich die Gesamtlänge, die zwischen 3 und 9 Monaten liegen sollte. Etwaige Verlängerungen gegenüber der ersten Schätzung können auf die Finanzierung durchschlagen, das Projekt verteuern. Diese Vor-Planung kann in einem rein organisatorischen Koordinationstreffen überprüft und justiert werden, die dem inhaltlich-künstlerischen Start-Workshop mit den Dozenten und Lehrern noch vorgelagert ist.

Kasten:
- Konzerttermin, Schulferien, weitere Termine -> Raster erstellen
- Dozentenbesuche in den Schulen verteilen (z.B. einer je Monat)
- Termin und Ort Zwischentreffen definieren (eines oder mehrere)
- Startworkshop und ggf. Organisations-Treffen vorher festlegen
- Pufferzeiten und Spielräume einplanen
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7. Planung
Die Planung auf inhaltlichem, finanziellem oder organisatorischem Gebiet folgt immer einem Kreislauf von Generalisierung und Detail-Arbeit. Im Detail ergeben sich immer wieder Schwierigkeiten einerseits, besondere Möglichkeiten andererseits, die den Rahmen verändern können. Inhaltliche Entwicklungen, Überraschungen und neue Ideen der Teilnehmer können sogar den strategischen Rahmen, die Annahmen und Vorgaben betreffen und im Idealfall auch beeinflussen. Wenn es gelingt, z.B. der Kreativität von Kindern wirklich freien Lauf zu lassen und ihre unmöglich erscheinenden Wünsche und Ideen ernst zu nehmen, kann sich ein dynamischer Prozess entwickeln, der zu ungeahnten Ergebnissen, Erkenntnissen oder Möglichkeiten führt.

Kasten:
- Generalisieren und Visualisieren: Diagramme und Pläne erstellen
- Vom Groben zum Feinen planen, Vom Ziel zum Anfang
- Veränderungen zulassen, dynamische Planung (Keinen Plan zu haben ist verboten. Der beste Plan ist aber der, der sich verändern kann.)
- Planung kann nur gelingen, wenn sie kommuniziert wird: Regelmäßig alle relevanten Personen informieren und überprüfen, ob, was und wie es ankommt. E-Mail und Internet können sehr helfen, wenn rechtzeitig Strukturen anlegt werden.
- Kooperationen anstreben um Synergien zu nutzen (zB Studenten als Assistenten, Senioren als ehrenamtliche Berater etc.)
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8. Beginn
Neben dem Abschlusskonzert ist der Start der Moment des größten Zaubers, der größten Erwartung und Offenheit, aber auch der größten Unsicherheit. Wenn es in den Vorgesprächen, den ersten organisatorischen Treffen, vor allem aber beim Startworkshop gelingt, menschliches Vertrauen und Mut zur Öffnung und direkten Kommunikation zu erzeugen, ist ein tragfähiges Fundament gelegt. Dem entgegen sollte man sich von über-kritischen, mit sich selbst oder den Zielen und Methoden der Arbeit nicht übereinstimmenden Personen trennen. Fahrigen, unorganisierten oder chaotischen Lehrern sollte man entsprechend anders gelagerte Dozenten zuordnen. So sind atmosphärische Bedingungen, positive Stimmung fördernde "Tricks" unbedingt mit hoher Priorität zu behandeln. Lange Pausen, schöne Räume und ein guter Kaffee ist oft wichtiger, als ein brillantes inhaltliches Feuerwerk. Stellen Sie Möglichkeiten der Mitgestaltung einladend dar, und verdeutlichen Sie, dass es sich um einen künstlerisch-kreativen Prozess handelt, dessen Ziel offen ist und der von allen mit gestaltet werden kann und soll.

Kasten:
- Erstkontakte sehr charmant und dienst-bar gestalten
- Premium-Bedingungen für erste Treffen und vor allem den Startworkshop
- Sehr offene, freundliche und ehrliche Kommunikation
- Kennenlernspiele, warm-ups zur Auflockerung
- Mut zur Trennung von unpassenden Partnern
- Wünsche und Vorstellungen abfragen, nicht nur eigene Vorstellungen aufdrücken
- Begeisterung zeigen, mitreißen! Dieses Projekt ist jetzt das wichtigste!
- Lehrer lieben Papier! Schreiben Sie Pläne, Checklisten und Protokolle.
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9. Kontrolle
Zu Beginn des Projektes und bei den ersten Aktivitäten sind die Annahmen und Vorgaben, in inhaltlicher, vor allem aber in finanzieller Hinsicht zu überprüfen. Dozenten und organisatorische Auftragnehmer sollten ihre ersten Rechnungen bald nach den ersten Taten stellen, damit später keine Überraschungen mehr auftauchen, oder unklare Absprachen zu Verstimmungen führen. Die ersten Treffen der Dozenten sollten von diesen vertragsgemäß protokolliert werden und man sollte als Projektleiter ein Feedback der Lehrer einholen. Ideal ist es, wenn diese Kommunikation keine Einbahnstraße bleibt, sondern zu einem echten, förderlichen Austausch zwischen den Teilnehmern führt. Solche Qualitätssicherungsmaßnahmen sind keine Geheimsache, sondern sollten offen gezeigt und zum selbstverständlichen Teil des Prozesses gemacht werden.

Kasten:
- Verträge mit Dozenten abschließen (bei großer Vertrautheit reicht E-Mail, jedenfalls aber schriftlich)
- frühe Rechnungsstellung einfordern
- Finanzielle Vorgaben überprüfen
- Protokolle
- Feedbackgespräche mit Lehrern
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10. Aktualisierung
Aus der Kontrolle und den zwangsläufig dort auftretenden Verschiebungen sollten notwendige und sinnvolle Veränderungen des Projektes, der Inhalte, der Planung oder der Finanzierung hervor gehen. Wieder gilt der Grundsatz: Der beste Plan ist der, der sich verändert. Besonders gut ist es, wenn sich aufgrund der inhaltlichen Arbeit, aufgrund von Ideen der Kinder oder durch die konkrete, kreative Zusammenarbeit neue Anforderungen ergeben. Hier erweist sich die Handwerks-"Kunst" des Kulturmanagers: Er muss die Chance, die sich z.B. auch aus einem Fehler oder einer Schwierigkeit heraus ergeben kann erkennen, das Veränderungspotential benennen und bewerten und schließlich in die Tat umsetzen, die Agierenden motivieren, den Plan ändern und schließlich die Veränderung kommunizieren. So entstehen dynamische Prozesse, die die Teilnehmer beflügeln und zu Bestleistungen inspirieren. Auch äußere Bedingungen können sich ändern und das Projekt sollte fähig sein, darauf zu reagieren. Es versteht sich von selbst, dass es äußerst wichtig ist, etwaige Veränderungen schnell und an ALLE zu kommunizieren.

Kasten:
- hellhörig sein für Veränderungen, neue Ideen, abseitige Gedanken
- die äußeren Bedingungen aktiv im Blick behalten (Gespräche mit externen Beobachtern suchen und auswerten)
- erkennen, bewerten, motivieren
- Pläne verändern und dies mitteilen, schnell und umfassend
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11. Zwischenergebnisse
Für die Beteiligten ist es ein äußerst wichtiger Schritt, nach ersten Versuchen und Annäherungen an die Arbeit oder die gestellte Aufgabe, einen Eindruck vom Ziel zu bekommen, die Strecke für sich vermessen zu können. Bei mehreren Gruppen ist es außerdem wichtig, dass diese sich gegenseitig kennen lernen, zumal, wenn sie später sogar zusammen agieren sollen. Es kann sinnvoll sein, den Ort des späteren Konzertes bereits bei diesen Zwischentreffen aufzusuchen, oder einen kleineren Ort zu wählen, der aber schon eine Ahnung vom endgültigen Saal vermittelt. Besonders jüngeren Kindern wird so erst klar, wohin die Reise geht und sie sind danach äußerst motiviert. Auch mit den Lehrern und Dozenten kann ein eigenes Zwischentreffen sinnvoll sein, um Methoden zu reflektieren, organisatorische Dinge im Dialog mit allen klären zu können oder sich mit den Dozenten in Ruhe über weitere Schritte auszutauschen.

Kasten:
- Gruppen lernen sich gegenseitig kennen
- Kinder lernen, in einem größeren Raum aufzutreten, evtl. schon im Konzertsaal
- Feedback-Runden mit Lehrern und Dozenten
- schriftliche Berichte, Zitate und feedbacks zu diesem Zeitpunkt sind auch gut fürs spätere Programmheft/ Dokumentation/Evaluation
- Organisatorische Konferenzen
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12. Planung Abschluss (Inhalt + Form)
Im Verlauf der Arbeit sollten verschiedene Themen aufgetaucht sein, wenn über die entstandenen Arbeiten nachgedacht wird, wenn Kinder ihren Werken Titel geben, wenn sich aus Feedback-Gesprächen oder -Bögen Aspekte ergeben, die sich generalisieren lassen. Diese Themen geben dann das Rohmaterial ab für einen dramaturgischen Bogen, womöglich eine Geschichte, die man während des Konzertes erzählen kann. Auch abstrakt formale Ideen, dramaturgische "Tricks" sind erlaubt, wie das Zusammenbinden disparater Einzelarbeiten mittels eines besonderen Instrumentes, einer bestimmten Musik oder einer Person. Eine Moderation ist entsprechend nicht immer nötig. Wenn die Qualität der Werke und die Konzentration der Kinder sehr gut ist, kann eine Moderation überflüssig sein oder gar stören. Jedenfalls sollten die Initiatoren und Dozenten des Projektes sich davor hüten, die Bühne zur Selbstdarstellung zu nutzen.

Kasten:
- Rahmenbedingungen (Zeit, Raum, Ablauf, technische Bedingungen) klären und vermitteln
- Aus den Arbeiten und dem Verlauf des Projektes die Form des Abschlusses sich entwickeln lassen
- eine schlüssige Gesamtdramaturgie entwickeln, möglichst keine reine "Nummern-Show"
- Moderation nur, wenn unbedingt nötig - keine Selbstdarstellungen
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13. Abgleich mit Ursprung
Ein offener Prozess, ein dynamisches Projekt darf und soll sich im Laufe der Zeit, durch die Ereignisse und die Personen verändern. Wenn dadurch die ursprünglichen Ideen, Ziele und Intentionen betroffen sind, ist dies im Prinzip ein gutes Zeichen. Jedoch ist zu beobachten, ob diese Veränderungen nicht an die Partner, vor allem Auftraggeber und Finanziers des Projektes kommuniziert werden müssen. Wenn diese sich auf bestimmte Versprechungen aus dem ursprünglichen Konzept einstellen, diese dann aber nicht erbracht werden, kann es zu Unstimmigkeiten kommen. Gleichzeitig ist die Notwendigkeit einer plausiblen Erklärung ein wichtiges Regulativ für etwaige zu "wilde" Veränderungen des Konzeptes. Im Prinzip reicht es, das eigene Konzept zur Mitte und bei Beginn der Planungen für den Abschluss noch einmal zu lesen und sich Rechenschaft darüber abzulegen, ob man noch "in der Spur" ist. Manche Entwicklung mag sich dann auch als Irrweg erweisen und man sollte sich nicht scheuen, auch einmal ein paar Schritte zurück zu gehen.

Kasten:
- offene Prozesse und Dynamik sollen die Inhalte verändern
- Veränderungen erkennen und benennen
- an wichtige Partner kommunizieren (Auftraggeber, Finanziers)
- ggf. Veränderungen in Frage stellen und zum Ursprung zurück kehren
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14. Pläne und Partituren
Die Prozesse und Ergebnisse (Zwischen- und End-) sind bei kreativen Projekten mit vielen Teilnehmern oft flüchtig. Eine Dokumentation ist nicht immer möglich, sei es aus finanziellen oder Gründen der Kapazität, häufig aber schlicht, weil im Vorfeld nicht genug daran gedacht wird. Daher ist es - auch im Interesse einer Fokussierung der Schüler - wichtig, Pläne zu entwerfen, zu zeichnen, zu verfeinern, zu gestalten: Raumpläne, zeitliche Abläufe, Strukturen von Personen, Instrumenten, Klängen. So kann die Zeitkunst Musik ihrer Flüchtigkeit enthoben werden und sich materialisieren, zum bleibenden "Werk" werden. Noch wichtiger und allemal künstlerischer ist es natürlich, statt technischer Ablaufpläne veritable Partituren herzustellen, die ja genau die oben beschriebenen Parameter enthalten, vor deren Herstellung man jedoch zurück schreckt, da sie einen vermeintlich nicht erreichbaren künstlerischen Anspruch definieren. Jüngere Kinder haben damit kein Problem, sie zeichnen gern ihre Erfindungen auf, beachten ihre Partitur aber in der Spielsituation oft nicht weiter sondern musizieren aus dem Gedächtnis. Die Partitur ist hier ein Anknüpfungspunkt für Konzentration und Fokussierung. Bei älteren Schülern kann eine Partitur hingegen ablenken und ein spontanes, ausdrucksstarkes Musizieren erschweren. Hier gilt es abzuwägen und die Partitur ggf. wieder "wegzunehmen", beziehungsweise medial zu arbeiten, mit Foto, Film und Tonaufnahmen.

Kasten:
- Pläne im organisatorischen Bereich: Zeit-, Raum, Personen, Funktionen sind wichtig zur Unterstützung des künstlerischen Prozesses
- Visualisierung von musikalischen Abläufen, der Raumorganisation, Instrumenten und klanglichen Ereignissen erfinden und strukturieren
- ggf. Partituren nach traditionellem oder alternativen Mustern erstellen und verfeinern
- die Partituren testen: Helfen Sie oder behindern sie?
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15. Dokumentation
Der verständliche Wunsch nach einem Festhalten der Ereignisse meist mit Hilfe von Texten und Bildern, seltener mit Tondokumenten oder auf Film ist kritisch zu hinterfragen. In einer von hoch professionellen Dokumentationen und Darstellungen teilweise banalster Vorkommnisse überquellenden Welt kann es wohltuend sein, die Flüchtigkeit zur Maxime zu erklären und ein Projekt bewusst NICHT zu dokumentieren. Wenn aber doch, so sollte von Anfang an ein klares Konzept entworfen und ein Ziel benannt werden: Ein Film, ein Buch, ein Album, eine Website, ein Radiobeitrag etc. Daraus ergeben sich dann Anforderungen an das benötigte Material und man kann die erforderlichen Personen und die Technik einplanen und vor allem finanziell kalkulieren. Der Königsweg ist natürlich ein Überlassen der Arbeit an die beteiligten Schüler selbst, oder an eine Parallelklasse zu beauftragen, diese dokumentarische Arbeit zu übernehmen. Besonders eine im Sinne des Web 2.0 den Schülern zugängliche CMS-Website ist in diesem Fall interessant. Dadurch entsteht aber ein Projekt im Projekt und man braucht streng genommen eine eigene Organisation und Finanzierung dafür. Auch der Wunsch nach einer Verwertung des Projektes kann eine Dokumentation sinnvoll werden lassen (siehe 19.)

Eine Minimal-Ausstattung sind sicherlich eine gute Tonaufnahme des Konzertes und einige Fotos. Für ein Programmbuch oder einen -zettel können Texte nötig sein. Scheuen Sie sich nicht, professionelle Fotografen einzukaufen oder unter den Eltern nach solchen zu suchen. Diese gewährleisten dann auch eine Auswahl und Aufbereitung des Materials, eine für Laien mühsame und ungeliebte Arbeit. Organisatoren und vor allem Dozenten sollten sich jedenfalls davor hüten, Fotos selbst machen zu wollen. Verbieten Sie den Eltern das Fotografieren während des Abschlusskonzertes. Klären Sie mit ihren Auftraggebern und Sponsoren, ob und welche Art der Dokumentation diese sich vorstellen, wünschen, verarbeiten können oder erwarten. Und ob diese tatsächlich an alle Beteiligten verteilt wird - denn dies ist nicht unbedingt selbstverständlich.

Kasten:
- Wird eine Dokumentation erwartet? Welche Form, welcher Umfang?
- Wäre es gerade charmant, KEINE Dokumentation zu erstellen?
- Minimal: Aufnahme Konzert und einige exemplarische Fotos, evtl. auch ein Gruppenfoto
- klare Entscheidung, welche Produkte entstehen sollen, ggf. mit Zeitpunkt der Fertigstellung
- eigenes Medienprojekt von anderen Schülern: Separat organisieren und finanzieren. Sehr geeignet: CMS-Website mit eigenen Beiträgen der Teilnehmer
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16. Öffentlichkeitsarbeit
Pädagogische Kreativprojekte mit Schülern und Kindern sind äußerst beliebt bei Journalisten und Redaktionen. Hüten Sie sich jedoch davor, ständig Fotografen und Reporter bei der Arbeit zuzulassen. Sie lenken die Kinder mit Vehemenz ab - das ist ihr Job. Definieren Sie gezielt Zeiten, in denen die Gruppen Pressevertreter empfangen und diese auch gezielt bedienen. Während dieser Zeiten ist keine normale Arbeit möglich, höchstens ein Schaulaufen, auf das die Kinder, Lehrer und Dozenten vorbereitet sein sollten und das sie mit gestalten können. Wenn dann schöne Artikel oder Beiträge, meistens mit Bildern entstehen, stellen diese ein hohes Potential zur Motivation und für die Kommunikation dar. Von Kindern selbst produzierte Texte sind besonders interessant für Journalisten und auch die eigene Öffentlichkeitsarbeit, bringen sie doch oft Dinge ganz wunderbar und unvermittelt auf den Punkt. Manchmal nehmen Schulleitungen ein Projekt erst wahr, wenn in der Zeitung darüber berichtet wurde. Kinder finden mit ihren Erzählungen am Frühstückstisch auf einmal Gehör sogar bei geistesabwesenden Vätern. Verbreiten Sie entsprechend Ihre Presse-Resonanz sehr offensiv und so weit wie nur irgend möglich. Bereiten Sie die Artikel so schön wie möglich auf, als sauber beschriftete Blätter, Scans von guter Qualität oder in hochwertig gestalteten Mappen. Sollten Rundfunk- oder TV-Beiträge entstehen, setzen Sie alle Hebel in Bewegung um alle Beteiligten zur gegebenen Zeit vor die Geräte zu bekommen. Stellen Sie Filme und Tondokumente auf Ihre Website und vereinbaren Sie mit den Produzenten vorab, ob, wie und wann z.B. eine komprimierte Version für eine Website zur Verfügung stehen kann.

Kasten:
- Presse-, Rundfunk- oder TV-Berichte wirken motivierend und stärken die subjektive Qualität des Projektes z.B. bei Schulleitungen oder Eltern
- Journalisten stören immer, was aber kein Problem sein muss
- Extra-Termine nur für Journalisten und Reporter organisieren und die Beteiligten genau darauf vorbereiten, wie ein Theaterstück mit Rollen, zeitlichem Ablauf etc.
- Entstandenes Material (Berichte, Sendungen) sehr hochwertig aufbereiten
- Pressetexte selbst schreiben, Journalisten schreiben gern "kindgerecht" über solche Projekte
- Sobald etwas erscheint, schnell und breit kommunizieren
- Nachbearbeitungen von Radio- und TV-Beiträgen rechtzeitig einplanen und zügig realisieren
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17. Abschluss
Die minutiöse Planung des Abschluss-Ereignisses ist Voraussetzung für ein Gelingen der Kunst. Machen Sie sich sehr früh schon Gedanken und bald auch genaue schriftliche Pläne über Abläufe von Transporten, Proben, dem Konzert selbst und der Zeit danach. Bei großen Gruppen mit mehreren 100 Schülern ist eine Raum- und Bewegungsplanung äußerst wichtig, auch die Material-Logistik. Wenn viele junge und natürlich aufgeregte Leute keinen Raum haben, wo sie sich aufhalten oder ihre Instrumente geordnet und sicher verstauen können, sind Stress, unkonzentrierte Kinder, verärgerte Lehrer etc. vorprogrammiert. Besonders die Lehrer müssen in die Planung einbezogen werden und die organisatorische Verzahnung der Gruppen und Gewerke zu ihrer eigenen Sache machen können. Wenn irgend möglich holen Sie auch die Eltern - die natürlich alle in der ersten Reihe sitzen wollen - mit ins Boot, indem Sie Elternabende besuchen oder Briefe verfassen, die klar machen, dass auch das Publikum eine wichtige und aktive Aufgabe hat, nämlich zum Gelingen beizutragen und nicht durch egoistische, desinteressierte (weil unerfahren) und abwertende (weil Musik fremd ist) Verhaltensweisen eine angespannte Atmosphäre zu erzeugen.

Kasten:
- sehr frühe minutiöse, schriftliche Planung: Zeit, Räume, Material
- mit allen Beteiligen besprechen und sie so einbeziehen, dass sie sich verantwortlich für das Gelingen fühlen
- richtiges Licht/Beleuchtung beachten
- Frei- und Wartezeiten mit planen. Junge Kinder brauchen zwischendurch noch einmal Auslauf
- Bewegungen: Braucht man einen zweiten Bühnenaufgang? Wo sind die Kinder während des Konzertes? Wo sind die Toiletten? etc.
- Anlieferung der Instrumente
- wo werden Instrumente vor und nach dem Auftritt gelagert?
- Baustein "Bühnenpräsenz" mit einplanen
- Catering (jeder bringt sein Brot und Obst, Sie verteilen einen Nachtisch...)
- Eltern auf ihre Aufgaben als Publikum vorbereiten und ggf. strenge Verhaltensregeln ausgeben
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18. Nachbereitung
Bereiten Sie die Nachbereitung vor, z.B. indem Sie Zeiten definieren, in denen Sie diese Arbeit bald nach dem Abschluss erledigen. Nennen Sie Termine gegenüber Dritten, um sich selbst unter einen gewissen Zugzwang zu setzen. Wer sich nach einem Projekt direkt in das nächste oder den Urlaub stürzt, hat später doppelte Arbeit um sich zu erinnern, fehlende Dinge herbei zu schaffen oder nachträglich zu erstellen. Vor allem ein Plan, welche Informationen, Materialien, Dokumente, Listen, Abrechnungen etc.pp am Ende vorliegen müssen erleichtert die Arbeit ungemein. Die Lieferanten dieser benötigten Dinge sind ggf. auch unter Androhung von Sanktionen sanft zu zwingen, notwendige Zuarbeit pünktlich zu leisten: Wenn z.B. Lehrer X seine Abrechnung und Schülerliste nicht bis zum Konzerttag liefert, bekommt er die Foto-CD erst nach den Schulferien. Hilfreich für eigene Lernprozesse sind zudem Rückmelde- und Fragebögen.

Jedenfalls gehört zu einem Projekt ein Bericht. Dieser sollte jedoch so knapp wie nur irgend möglich gehalten sein. Falls es mehr zu erzählen gibt, kann man über eine zweite, ausführlichere Variante nachdenken. Dieser Bericht muss so verfasst sein, dass er ohne Einschränkungen öffentlich gemacht werden kann und sollte sofort nach Fertigstellung auf einer relevanten Website hinterlegt werden. Die Beteiligten sollten informiert werden, dass es ihn gibt. Da wir immer mit mehr oder weniger öffentlichen Mitteln agieren, hat die Öffentlichkeit ein Recht, sich über die Verwendung der Mittel ein Bild zu machen.

Kasten:
- Zeit für eine baldige Aufarbeitung des Projektes fest einplanen
- Termine für Fertigstellung z.B. des Berichtes festlegen
- alle von Beteiligten beizubringenden Materialien vor oder spätestens zum Konzert einfordern
- einen Bericht fest einplanen, offen und selbstkritisch über alle wichtigen Vorgänge schreiben und gleichzeitig möglichst kurz halten
- den Bericht veröffentlichen
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19. Verwertung
Jede künstlerische Produktion - auch und vielleicht sogar besonders in Bereichen wie der Konzertpädagogik - hat unabhängig von ihrem künstlerischen auch einen rein wirtschaftlichen Wert, der sich allein schon aus der Tatsache ergibt, dass Geld fließt, Menschen aufgrund ihrer Tätigkeit ihren Lebensunterhalt verdienen, Transportmittel, Räume und Material genutzt werden etc. So ist es grundsätzlich sinnvoll, über eine Steigerung dieses im Prinzip schon vorhandenen Wertes nachzudenken und zu fragen, wer oder was an den Ergebnissen interessiert sein könnte. Hierbei spielt nicht primär eine Rolle, ob mit dieser Verwertung wiederum Geld verdient, womöglich Defizite aufgefangen werden können, sondern es bedarf wiederum künstlerischer und gesellschaftlich engagierter Kreativität, um auf andere Ideen zu kommen, als bemalte Billig T-Shirts aus Bangladesch oder unfair gehandelten Café nach dem Konzert zu verkaufen. Vorkonzerte im Altersheim und im Krankenhaus, eine DVD-Produktion mit der Behinderten-Werkstatt um die Ecke, eine professionelle Tonaufnahme von Studenten, eine Versteigerung der schönsten Fotos als Großaufnahmen für einen guten Zweck, etc. - dies sind einige Beispiele für Verwertungen, die weit mehr Wert erzeugen, als bloße Refinanzierungsmaßnahmen.

Leider muss man in diesem Zusammenhang auch über die leidigen Themen GEMA, copyright, Wiedergaberechte etc. nachdenken, ggf. sogar bei Verträgen berücksichtigen. Niemand sollte sich in Gefahr bringen, sollte korrekt handeln, sich jedenfalls gut informieren. Jedoch alimentieren die bestehenden Systeme zur Abgeltung von Autorenrechten weitgehdn diejenigen, die ohnehin schon haben. In Zeiten zunehmend frei verfügbaren Wissens mutieren die Verwertungsgesellschaften zu Kulturbremsern. Jeder muss für sich entscheiden, wie er sich dazu verhält, zumal im Bereich der Konzertpädagogik wo es meist um künstlerischen Altruismus geht. Manche Komponisten geben kleinere Gebrauchswerke inzwischen anonym weiter, um die Nutzer nicht der GEMA auszuliefern - eine bedenkliche Entwicklung.

Kasten:
- wer oder was im Umfeld des Projektes kann von der Arbeit profitieren? (öffentliche, soziale und Bildungs-Einrichtungen)
- wie kann die Arbeit oder das Ergebnis zu den entsprechenden Menschen gebracht werden?
- welche Medien sind für den Transfer geeignet: Liveaufführungen, Berichte, Website, Tonaufzeichnungen, Foto, Film, Kombinationen?
- je nach Größe der Dokumentation ggf. eigenes Budget
- welche Rolle kann eine solche Verwertung als Argument für die Finanzierung spielen?
- GEMA, copyrights und Aufführungsrechte berücksichtigen
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20. Evaluation
Bei einer Evaluation geht es ebenfalls um den Wert eines Projektes, jedoch gilt die Betrachtung hier nicht so sehr dem künstlerischen Ergebnis, als vielmehr dem Prozess und den allgemeinen pädagogischen, künstlerischen oder gesellschaftlichen Zielen der Arbeit. Es geht vor allem auch darum, eine Überprüfbarkeit der Behauptungen und Annahmen zu ermöglichen, mit denen die Leiter in ein Projekt starten. Der Forderung mancher Geldgeber vor allem aus dem Stiftungsbereich nach solchen Evaluationen steht häufig eine Aversion seitens der Künstler gegenüber, die es aber lohnt, aufzulösen. Wer an sich den Anspruch hat, mit möglichst jedem Projekt dazulernen zu wollen, dem kann eine differenzierte Bewertung einzelner, zuvor klar definierter Parameter sehr helfen: Wie viele Kinder haben tatsächlich nach dem Projekt angefangen ein Musikinstrument zu lernen, ohne dies vorher schon gewollt zu haben und tun sie dies auch noch nach einem Jahr? Evaluation ist eine eigenständige wissenschaftliche Disziplin, über deren Methoden und Ziele professionell gerungen wird. Gönnen Sie sich die Zusammenarbeit mit Profis und geben Sie guten Gewissens 5 bis 10% ihres Projektetats für eine Evaluation aus. Andererseits muss auch nicht jedes Projekt evaluiert werden, oder beschränken Sie sich auf einen bestimmten, wichtigen Aspekt.

Kasten:
- VOR dem Projekt klare Fragen definieren und die Befragung planen
- Zügig auswerten und ggf. nachgelagerte Befragungen gut planen (Aktualisierung der Kontakte, Vereinbarungen mit den zu Befragenden, dass man sie noch einmal ansprechen darf und wann dies geschehen wird)
- Richtwert 5 bis 10% des Projektetats sind angemessen
- Nicht jedes Projekt muss evaluiert werden, z.B. reine Wiederholungen bereits erprobter Konzepte oder kleinere Projekte.
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Finale
Eingangs sprachen wir vom Kulturmanagement als einem Handwerk, rekurrierten dann im Text aber immer wieder auf die Forderung, dass pädagogisch-künstlerische Arbeit eines eigenen ästhetischen Anspruches bedarf. Beides bedingt sich gegenseitig. Grundvoraussetzung für jeglichen Sinn konzertpädagogischer Projekte ist eine hohe Wertschätzung und eine überaus positive Grundhaltung gegenüber den künstlerischen Fähigkeiten der Menschen, mit denen wir arbeiten. Solange wir Kinder als "noch nicht", Senioren als "nicht mehr", Behinderte als "leider nicht" fähig erachten, kunstvolle und präsentable Musik zu machen, bleibt unsere Arbeit durchsichtiges Verkaufs-Marketing oder gut gemeinter Sozial-Kitt. Seit und trotz Rousseaus Ausführungen über die eigene Logik von Kindern kämpft die Pädagogik immer noch mit der Sicht, dass der Schüler in erster Linie "defizitär" sei. Je mehr wir Konzertpädagogen jedoch lernen, die Potentiale und bereits erworbenen Fähigkeiten unserer Mitmenschen zu nutzen, desto schneller kann Kunst und Musik wieder seinen Platz in Mitten einer lernenden, spirituellen, genussfähigen Gesellschaft finden, die sich der Droge des Konsums zu entziehen weiss.

Im Fazit zum Schluss der fünf eingangs genannten Thesen von 2002 weist das Büro für Konzertpädagogik zusammenfassend auf die Notwendigkeit hin, Kinder ernst zu nehmen, ohne es ihnen dabei leicht zu machen. Kinder, heißt es weiter, seien nicht das Publikum von morgen, sondern von heute. Sieben Jahre später sind es alle Arten von Randgruppen, die uns interessieren, denn wir brauchen sie als Künstler - ein wenig wie Naturvölker ihre Schamanen.