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Buch von allen Dingen

Am Beispiel der Oper „Das Buch von allen Dingen“ (Nachtmann/Weiß) nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Guus Kuijer führten Mira Ebert und Christian Zech als Pädagogen von indieOper im Auftrag der Robert Bosch Stiftung eine Werkstatt für Kinder und Jugendliche durch, gedacht als Einführung und Vorbereitung auf den Besuch einer Musiktheateraufführung. Das Pilotprojekt wurde umfangreich dokumentiert und soll als Modell für weitere Nutzungen in Schulen dienen, insbesondere auch für Projekte in Eigenregie durch Lehrer und vor Ort verfügbare Künstler.
Das Besondere an diesem Projekt: Es fand parallel zur Entstehung der Oper selbst statt, auf die es sich bezieht. Diese Situation ergibt sich oftmals in der Realität und birgt besonderen Herausforderungen wie Chancen. Die Kinder werden nicht – noch nicht – mit dem fertigen Werk konfrontiert, sondern erschaffen ihre eigene Oper. Sie sollen mit den Erfahrungen des eigenen Produktionsprozesses an das Werk, mehr noch an einen Theaterbesuch allgemein herangeführt und neugierig gemacht werden .
Dabei war die eigene schöpferische Phantasie der Kinder gefragt. Es ging nicht um das ‚Einfühlen` und ‘Verstehen‘ in die Ideen Anderer, also eine Art kuturellen „Konsum“, sondern um das Besinnen auf die eigenen kreativen Fähigkeiten, den eigenen Erfindungsgeist.
Kinder und Künstler hielten sich über den Produktionsprozess ihres Werkes gegenseitig auf dem Laufenden. Wechselwirkungen mit den produzierenden Profis waren erwünscht. So schuf unser Weg ideale Bedingung für das Entstehen einer guten (Kinder)-Oper.
Die einzelnen Abschnitte des angestrebten Prozesses sollten Anregungen für Alle enthalten, die sich allgemein auf den Besuch einer Musiktheateraufführung vorbereiten wollen. Es ging nicht nur um den Besuch der Oper „Das Buch von allen Dingen“, sondern um eine Eroberung der Kulturtechnik „Theaterbesuch“ überhaupt.
So startete das Projekt bewusst nicht damit, zu erklären, was „Oper“ ist, welche Tradition und kulturelle Aura sie trägt, sondern ermöglichte es den Kindern, diese historische Entwicklung selbst nachzuvollziehen. Aus der Synthese von Rollenspielen und musikalischen Experimenten wurde etwas Neues erschaffen, das der formalen „Fassung“ bedurfte und das sich durch technische Unterstützungen bereichern und in ihrer Wirkung verstärken ließ. Die Kinder merkten anhand der Potenzierung ihrer eigenen Fähigkeiten und Talente, dass ein Werk weit mehr als die Summe seiner Teile ist und die Kunstform Oper alle Künste vereint: Schauspiel, Musik, bildende Kunst, Tanz, mediale und technische Kunst. Hier sollte jeder sein Wirkungfeld und damit seine ureigene Motivation finden können.
Ob Kinder in der Lage sind, die komplexe Kunstform Oper wirklich und adäquat zu füllen stand dabei nicht zur Debatte. Lernen heißt Üben und Zwischenergebnissen ebenfalls einen Wert zuzugestehen. Oper gehört zu unserer Kultur. Wer selbst einmal eine Oper gemacht hat, wird verstehen, was es ist, und ein Urteil darüber fällen können. Nur darauf kommt es an, nicht auf Missionierung. Bei aller ungebremsten und authentischen Begeisterung der Dozenten und Lehrer für die Oper als Kunstform stand immer der neutrale Erkenntnisprozess der Kinder im Vordergrund.